Ältere und jüngere Schülerinnen und Schüler arbeiten im Klassenzimmer zusammen.
Foto: Florian Dürkopp

BildungsTandems – Lernen auf Augenhöhe

Von BildungsTandems-Coachin Maya, erschienen in „Die Schultüte“, die Schülerzeitung der Matthias-Claudius Gesamtschule Bochum

27.03.2026

Vor einem Jahr bekamen meine Freundin und ich die Möglichkeit, im Rahmen der BildungsTandems jüngere Schüler*innen zu unterstützen. Kurz darauf wurden wir unseren Coachees zugeteilt – und so begann eine sehr lehrreiche und spannende Zeit. Doch was genau machen die BildungsTandems eigentlich? Wie ist das Programm an unsere Schule gekommen? Und was haben die teilnehmenden Schüler*innen davon?

BildungsTandems ist ein Programm der GLS Zukunftsstiftung Bildung, das in NRW vor allem im Ruhrgebiet an vielen Schulen umgesetzt wird. Im Mittelpunkt steht das gemeinsame Lernen in der Begegnung zwischen älteren und jüngeren Schüler*innen. Ziel ist es, Sprachkompetenz, Lernfreude und soziale Fähigkeiten zu stärken – und zwar durch echte Beziehungen im Schulalltag.

An unserer Schule gibt es die BildungsTandems schon seit ungefähr 13 Jahren. Schüler*innen der Klassen 8 bis 10 werden hier zu sogenannten Schülercoachs ausgebildet, um jüngere Mitschüler*innen praktisch zu unterstützen – zum Beispiel im Lernbüro in der Lernzeit oder in einem anderen beliebigen Unterrichtsfach. 

Auch wenn unsere Schule großen Wert auf individuelle Förderung legt, kann nicht jede*r Schüler*in jederzeit einzeln betreut werden. Genau hier setzt das Programm an. Jede*r Coach*in übernimmt eine feste Lernpatenschaft – das bedeutet, wir begleiten einen jüngeren Schüler oder eine jüngere Schülerin über einen längeren Zeitraum. In Absprache mit Lehrer*innen verlassen wir dafür gelegentlich unseren eigenen Unterricht, um in dem Fach zu helfen, in dem unser Coachee gerade Unterstützung braucht.

Die Organisation übernimmt Frau Kühne, die das Projekt vor einiger Zeit von Frau Haffert übernommen und seitdem mit vielen neuen Ideen bereichert hat. Um mehr über die Hintergründe zu erfahren, habe ich mit ihr gesprochen:

Interview mit Frau Kühne

Frage: Wie sind Sie zu den BildungsTandems gekommen?
Frau Kühne: „Als Frau Haffert in den Ruhestand ging, suchten wir jemanden, der die BildungsTandems weiterführt. Da sich niemand fand, habe ich die Aufgabe übernommen – ich hätte es sehr schade gefunden, wenn das Projekt eingestellt worden wäre. Von Anfang an war mir jedoch wichtig, einen neuen Schwerpunkt zu setzen und das Projekt schulintern aufzubauen. Das bedeutet: Unsere älteren Schüler*innen arbeiten mit jüngeren Schüler*innen unserer eigenen Schule zusammen. Lernpatenschaften mit Grundschulen, wie wir sie vor Corona hatten, sind grundsätzlich auch möglich, doch aktuell liegt der Fokus auf der Gesamtschule.“

Frage: Was ist das Besondere an dem Projekt aus Ihrer Sicht?
Frau Kühne: „Die teilnehmenden Schüler*innen der Klassen 8 bis 10 durchlaufen eine kleine Ausbildung durch Trainer*innen der GLS Zukunftsstiftung Bildung. Dort lernen sie wichtige Fähigkeiten und reflektieren ihr eigenes Verhalten – das bereitet sie gut auf mögliche Herausforderungen in der Arbeit mit jüngeren Schüler*innen vor. Ich finde das sehr hilfreich.“

Frage: Was begeistert Sie besonders an der Zusammenarbeit zwischen älteren und jüngeren Schüler*innen?
Frau Kühne: „Es ist schön zu sehen, wie echte Beziehungen entstehen. Bei unseren Reflexionstreffen, mit den Trainer*innen der GLS Zukunftsstiftung Bildung wird das immer wieder deutlich.“

Frage: Sehen Sie Veränderungen bei den Teilnehmenden?
Frau Kühne: „Ich bin der festen Überzeugung, dass sowohl die älteren als auch die jüngeren Schüler*innen von den Lernpatenschaften profitieren. Die Coaches lernen, sich auf die Bedürfnisse ihrer Coachees einzustellen und festigen dabei auch ihr eigenes Wissen. Gleichzeitig entwickeln sie ihre sozialen Kompetenzen weiter, was sich positiv auf ihre Persönlichkeitsentwicklung auswirkt. Auch die jüngeren Schüler*innen profitieren stark – sie freuen sich auf die gemeinsamen Stunden, genießen die Aufmerksamkeit und lassen sich meist gern auf das gemeinsame Lernen ein. Das Projekt erzeugt wirklich nachhaltige Lerneffekte.“

Frage: Welche Erfahrungen haben Sie bei der Umsetzung des Projekts gemacht?
Frau Kühne: „Aktuell engagieren sich 19 Schüler*innen aus den Klassen 8 bis 10 und besuchen ein- bis zweimal pro Woche eine 5., 6. oder 7. Klasse. Damit haben wir fast 20 jahrgangsübergreifende Lernpatenschaften – das ist großartig! Ich freue mich über das Engagement und die vielen positiven Rückmeldungen von Schüler*innen und Lehrkräften.“

Ein Gespräch mit meinem Coachee Jonathan

Auch die Meinung meines Coachees war mir wichtig – schließlich ist er der direkte Mittelpunkt unserer gemeinsamen Arbeit. Ich habe ihm ein paar Fragen gestellt, um herauszufinden, wie er die Lernpatenschaft erlebt…

Frage: Was findest du besonders toll an unserer Zusammenarbeit?
Jonathan: „Dass ich jemanden neben mir habe, der mir hilft, wenn ich Hilfe brauche.“

Frage: Gibt es etwas, das du alleine schwierig findest, aber mit mir leichter geht?
Jonathan: „Du hilfst mir gut beim Lesen, beim Konzentrieren und dabei, Ordnung zu halten.“

Frage: Was hast du schon Neues gelernt, seit wir zusammenarbeiten?
Jonathan: „Beim Schreiben mehr Platz zu lassen, damit es ordentlicher aussieht. Ich habe gelernt, mich besser auf die Arbeit zu konzentrieren.“

Frage: Gibt es etwas, das dir nicht so gut gefällt?
Jonathan: „Dass du zu selten da bist.“

Wie das Interview zeigt, profitiert mein Coachee sehr vom Projekt – und ich auch. Ich habe gelernt, auf ihn individuell einzugehen und passende Methoden einzusetzen. Jedes Mal, wenn er ein gutes Ergebnis erzielt, freue ich mich mit – denn ich weiß, dass ich einen Teil dazu beigetragen habe.

Besonders schön ist es, wenn er mich anlacht, sobald ich den Klassenraum betrete, und sagt: „Da bist du ja endlich – du warst viel zu lange nicht mehr hier!“
Natürlich gibt es manchmal auch Tage, an denen es nicht so gut läuft. Aber das ist okay – wir wissen beide, dass es beim nächsten Mal wieder besser wird. Denn wir sind ein gutes Team.

Mitmachen lohnt sich!

Zum Schluss möchte ich noch einmal Werbung für die BildungsTandems machen: Wir brauchen immer hilfsbereite Schüler*innen, die bereit sind, jüngere Schüler*innen zu unterstützen. Neben vielen wertvollen Erfahrungen und spannenden Begegnungen gibt es bei uns auch eine positive Bemerkung auf dem Zeugnis – und vielleicht das Schönste: das Gefühl, etwas bewirkt zu haben.

Über das Programm BildungsTandems

Gemeinschaft stärken, Respekt und Toleranz üben, Solidarität leben – das erproben Schülerinnen und Schüler im Programm BildungsTandems. Auf der Basis von Peer-Learning erleben sich ältere und jüngere Schülerinnen und Schüler als starke Partner füreinander.
Die Älteren durchlaufen zunächst ein Trainingsprogramm, das sie fit macht für ihre Rolle als Coach und Vorbild für Grundschulkinder. Diese BildungsTandems treffen sich dann regelmäßig und werden durch die Zukunftsstiftung Bildung über ein Schuljahr hinweg begleitet. Die teilnehmenden Schulen und Kommunen werden bei der Durchführung des Programms begleitet und Lehrkräfte entsprechend weitergebildet.

Wissenschaftlich evaluiert wird das Programm unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Silvia-Iris Beutel, Professorin für Schulpädagogik und Allgemeine Didaktik, Schwerpunkt Lehr-/Lernprozesse und empirische Unterrichtsforschung an der TU Dortmund.

Die RAG-Stiftung ist seit März 2022 Hauptförderer des Programms.

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